Die Gemeinschaftsunterkunft Florian-Geyer-Straße im „Heim-TÜV“

Heimtüv-DeckblattAm 9.12.2011 ist der „Heim-TÜV“ des Sächsischen Ausländerbeauftragten Prof. Dr. Martin Gillo erschienen. [1] Dieser setzt sich das Ziel, eine transparente Bewertung der 30 Gemeinschaftsunterkünfte (GU) in Sachsen zu erstellen und dadurch auf Mängel hinzuweisen, aber auch positive Entwicklungen hervorzurufen. Diese Untersuchung und Zusammenstellung der einzelnen Heime ist deutschlandweit der erste Versuch, gezielt die Unterkünfte eines Bundeslandes zu bewerten und eine Liste an Empfehlungen und Anregungen zu erarbeiten. Die ÖKA begrüßt daher ausdrücklich den Bericht des Sächsischen Ausländerbeauftragten.

Die Kriterien im Einzelnen:
1. Unterbringung von Familien und Frauen in der Gemeinschaftsunterkunft,
2. Sicherheit,
3. Betreuung,
4. Frauen – und Familiengerechtigkeit,
5. Integration von Kindern,
6. Bildungsangebote,
7. Mitwirkungsmöglichkeiten,
8. Lage und Infrastruktur,
9. Zustand und Umfeld
10. Gesellschaftliche Einbindung.
Die ersten fünf Faktoren gehen dabei in doppelter Wertung ein.

Oben genannte Punkte werden bei den einzelnen Besuchen geprüft und erfragt, um dadurch eine Wertung zu erhalten, welche am Ende in einem Ampelwert und einem numerischen Ergebnis widergespiegelt wird. Fünf der sächsischen GUs sind im grünen Bereich, während sechs im roten Bereich liegen. Das Heim auf der Florian-Geyer-Straße belegt den achten Platz und ist damit im innerstädtischen Ranking auf Platz vier von fünf Unterkünften in Dresden gelandet. [2]
Positive Bewertungen (und somit im grünen Bereich) des Heims „Johannstadt“ erfolgten in den Bereichen Lage und Infrastruktur, Integration von Kindern, die Unterbringung von Frauen und Familien sowie bei der Familiengerechtigkeit. Die zentrale Lage in der Stadt und die vielen Angebote von verschiedenen Vereinen tragen im Besonderen zu dieser positiven Wertung bei. Der Sächsische Ausländer-beauftrage sieht aber auch an vielen Stellen Verbesserungsmöglichkeiten. Die GU wird als „baulich heruntergewirtschaftet und abgewohnt“ beschrieben. Dies deckt sich auch mit den Berichten von Schimmelbefall in der Unterkunft. [3] Dazu wird angemerkt, dass die „marginale Sozialbetreuung […] nur einen Teil der Bewohner [erreicht]“. Gerade die Faktoren Betreuung und Mitwirkungsmöglichkeiten werden negativ bewertet. Es wird daher insbesondere angeregt ein „schriftliches Konzept für eine qualifizierte soziale Betreuung [zu] erarbeiten“, einen Heimbeirat zu gründen, die Anzahl der Sozialarbeiter zu erhöhen [4], die „Bewohner gezielt in eine ehrenamtliche Tätigkeiten [zu] vermitteln“ und diese „in Heimabläufe und Aktivitäten einzubeziehen“. Dazu ist das Heim mit einer Kapazität für 155 Personen größer, als es der Sächsische Ausländerbeauftragte empfiehlt.
Die ÖKA trägt bereits durch die wöchentliche Beratungsstunde, das Sprachkursangebot und die geplante Hausaufgabenbetreuung zur Verbesserung der Lebensumstände der Bewohner_innen bei. Wir fordern von der Stadt und der Heimleitung die Anregungen des Sächsischen Ausländerbeauftragten schnellstmöglich umzusetzen. Darüber hinaus halten wir es für erforderlich, dass den Asylsuchenden ein Sprachkurs angeboten wird, der finanziell von der Stadt Dresden getragen wird. Ein positives Beispiel liefert die Stadt Leipzig, in der es ein solches Angebot bereits gibt. [5] Außerdem enthält der „Heim-TÜV“ im fünften Kapitel unter der Überschrift „Systemische Lösungen für eine menschenwürdigere Unterbringung“ 20 Empfehlungen und Anregungen, die in den sächsischen Unterkünften verbessert und umgesetzt werden sollen. Diese Punkte erscheinen auch in unseren Augen notwendig, um die Verhältnisse für die Menschen in den Unterkünften einer „Willkommensgesellschaft“ entsprechend zu gestalten. Wir wollen dabei anmerken, dass eine Unterbringung in Wohnplatten des DDR-Stils WBS70 und daher in einer GU nach der Art des Heims „Johannstadt“ nicht als dezentrale Unterbringung gewertet werden kann. Denn ein solches Heim bildet für die Bewohner noch immer einen Mikrokosmos, der die Integration in die hiesige Gesellschaft erschwert. Wir fordern daher eine dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden in Dresden, die das Zusammenleben der Asylsuchenden mit der bereits ansässigen Bevölkerung unterstützt.

[1]http://www.landtag.sachsen.de/de/integration_migration/aktuelles_presse/pressemitteilungen/6844_8121.aspx ; der „Heim-TÜV“ kann von dieser Seite heruntergeladen werden
[2] Die Bewertung des Heims „Johannstadt“ S.58 f.
[3] Sandro Rahrisch in: Sächsische Zeitung; 29.9.2011; „Flucht ins Elend“
[4] Dazu der „Heim-TÜV“: „Wir halten einen Betreuungsschlüssel voneiner Vollzeitstelle pro 100 Bewohner für angemessen. Das ist bundesweit das Mittelmaß. Nach unseren Informationen gelten in den anderen Bundesländern Betreuungsschlüssel von 1:40 bis 1:150.“ (s. S.24 „Heim-TÜV“ 2011)
[5] http://www.leipzig.de/deutschkurse/

Weitere Informationen zu dem „Heim-TÜV“ findet ihr unter: