Archiv für Juli 2014

Dresden Postkolonial

Wir möchten euch heute die Gruppe DRESDENpostkolonial vorstellen. Eine interessante Gruppe wie wir finden. Denn sie gibt eine von vielen Antworten darauf, warum auch heute noch Asylsuchende und Geflüchtete keinen gleichberechtigten Stand in unserer Gesellschaft haben. Koloniale Denkweisen unterstützen rassistische Vorurteile, Gedanken und Handlungen.

DRESDENpostkolonial setzt sich mit verschiedenen Perspektiven der Postkolonialen Theorien auseinander. Dabei liegt der Fokus auf der Auseinandersetzung mit (neo-kolonialen) Herrschafts- und Machtverhältnissen, die sich aus der Kolonialzeit ableiten und noch bis heute existieren und somit unseren Alltag und unsere Wahrnehmung auf verschiedenste Art und Weise prägen. Konkret beleuchtet werden dabei Orte in Dresden, die direkt oder indirekt Ausdruck (Post-)Kolonialer Verhältnisse sind, um verschiedene Perspektiven zu öffnen und zum Nachdenken anzuregen.

Hier der Link zur Webseite von DRESDENpostkolonial.

www.dresden-postkolonial.de

Polizeieinsatz am Wiener Platz (Dresden)

Dresden. Am Nachmittag des 1. Juli führte die Dresdner Polizei einen Großeinsatz am Wiener Platz, nahe des Hauptbahnhofs, durch. Dabei wurden laut Polizei 24 junge Männer aufgegriffen, festgehalten und durchsucht. Ihnen wurde vorgeworfen an Beschaffungskriminalität und illegalem Handel mit Betäubungsmitteln beteiligt zu sein.

Die Männer wurden mit Kabelbindern oder Handschellen hinter ihren Rücken gefesselt und gezwungen sich auf den Boden vor einem Bauzaun zu setzen. Einige mussten dort in dieser Position bis zu 3 Stunden ausharren. Sie waren den Passierenden der Prager Straße dabei deutlich sichtbar und ihren Blicken ausgesetzt. Diese groteske Szene erweckte den Eindruck einer öffentlichen zur Schau Stellung. Fraglich bleibt, nach welchen Kriterien die Polizei die Betroffenen auswählte, hierbei widersprachen sich die Aussagen der Polizei und die der Betroffenen in einigen Punkten.

Auffällig war, dass fast alle der Festgehaltenen vermeintlich ausländisch aussahen. Dies lässt vermuten, dass die Polizeibeamt*innen ihre Zielgruppe nach rein äußerlichen Kriterien bestimmt hat, eine Vorgehensweise, welche Racial Profiling genannt wird und die nicht zulässig ist. Einer der Betroffenen sagte immer wieder, nachdem man ihn nach zweistündigem Warten gehen ließ, da sich die Anschuldigungen als falsch erwiesen hatten, dass dies Rassismus sei. Seinen Angaben zufolge wurde er willkürlich auf dem Weg zum Einkaufen aus der Menge gezogen und festgehalten.

Die beschuldigten Personen verstanden teilweise nicht gut Deutsch und konnten somit die unerklärte Situation schlecht verstehen. Man verbot ihnen sich miteinander zu unterhalten. Laut Zeug*innen brüllten die Beamt*innen immer wieder, dass sie „ihre Klappe halten“ sollten.

Nach mehren Nachfragen warum die Kontrolle so öffentlich, so lang andauernd und erniedrigend war, erklärte die Polizei, dass sie zu wenig Personal im Einsatz gehabt hätten. Laut Pressebericht der Polizei waren allerdings 40 Polizist*innen im längerfristig geplanten Einsatz.

Durch diese öffentliche zur Schau Stellung wurde das diskriminierende Klischee des kriminellen Ausländers bedient. Dies machte sich in den ausländerfeindlichen Aussagen der Vorbeilaufenden und Schaulustigen stark bemerkbar.

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen stellt sich die Frage nach der Angemessenheit des Vorgehens und welches Bild in den Köpfen der Zuschauenden bleibt.