Archiv für Januar 2015

Jahresrückblick 2014

Momentan besteht der „Kontaktgruppe Asyl e. V. “ aus rund 22 aktiven Mitgliedern, die sich in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern des Vereins ehrenamtlich engagieren. Was genau geplant, organisiert, besprochen, begleitet, erarbeitet und getan wurde, soll nun im Jahresbericht 2014 zur Sprache kommen….

Wir sind ein Verein! Interne Entwicklungen

Im Februar dieses Jahres nahm die „Ökumenische Kontaktgruppe Asyl“ die restlichen Aktiven und Aktiva der ehemaligen „Abschiebungshaft-Kontaktgruppe“ auf, was finanziell, aber vor allem personell eine enorme Bereicherung für uns darstellt. Zeitgleich gründeten wir den Verein „Kontaktgruppe Asyl e. V.“ oder KoGA, wie wir uns selbst nennen. Bis dahin hießen wir „Ökumenische Kontaktgruppe Asyl“ (ÖKA) und waren eine der Johanneskirche angegliederte Initiative ohne feste Struktur oder Rechtsform. Eine Vereinsgründung erschien uns sinnvoll, da die Tätigkeiten unserer Gruppe in diesem neuen Rahmen besser umgesetzt werden können. Im Zuge der Vereinsgründung trennten sich die bisher auch unter dem Dach der „ÖKA“ tätigen Deutschkurse (DAMF) von uns, da diese eigenständig organisierte Untergruppe inzwischen selbst personell sehr breit aufgestellt ist und eigene Zielsetzungen bzw. Angebote verfolgt und weil die inhaltlichen Überzeugungen beider Gruppen teilweise divergierten. Wir begrüßen die Sprachangebote des DAMF und vermitteln nach wie vor interessierte Personen in die Kurse. Für die Zusammenarbeit sind wir dankbar. Zurück zur Vereinsgründung: Nach dem Verfassen einer Satzung und den damit verbundenen spannenden und wichtigen, aber auch langwierigen Diskussionen über unser Selbstverständnis, unsere Organisationsform und unsere Zielsetzungen haben wir uns nach dem Abhalten einer mehrstündigen Gründungsversammlung erfolgreich beim Vereinsregisteramt anmelden können. Vom Finanzamt Dresden wurde uns auf Antrag Gemeinnützigkeit attestiert. Als Verein konnten wir auch die überfällige Haftpflichtversicherung abschließen, die vor allem für unsere soziokulturellen Aktivitäten wichtig ist. Im Rahmen unserer im Juni abgehaltenen zweitägigen Klausurtagung im Garten des IBZ wurde weiter darüber nachgedacht, wer wir als Verein sind, wer wir sein und welche (mehr oder weniger visionären) Ziele wir zusammen erreichen wollen. Sehr froh sind wir auch über das Etablieren einer Kooperationspartnerschaft mit dem Sächsischen Flüchtlingsrat. Wir profitieren sehr von der Zusammenarbeit und hoffen, dass auch wir mit unseren Angeboten und Strukturen die Arbeit des SFR an der einen oder anderen Stelle bereichern.

Beratungs- und Begleitungsarbeit

Der Kern unserer Arbeit besteht seit einigen Jahren in einem niederschwelligen Beratungsangebot in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Dresden-Johannstadt. Einmal wöchentlich, sprich 52 Male im vergangenen Kalenderjahr, konnten die Bewohner*innen unser Beratungsangebot wahrnehmen und Auskunft zu den verschiedensten Anliegen erhalten. So ist unser Angebot darauf ausgerichtet, neu ankommende Asylsuchende bei der Orientierung in und der Kommunikation mit der lokalen, regionalen und bundesweiten Behörden- und Ämtervielfalt zu unterstützen sowie sie an andere hilfreiche Adressen zu vermitteln. In den Beratungen geht es u. a. um Themen wie Schulanmeldung, freiwillige Ausreise, das Organisieren von Arztterminen, das Begleiten zu Sozialamt und Ausländerbehörde und das Übersetzen bzw. Erklären von erhaltener Post. Fast jede Woche gelang es uns, russisch sprechende Dolmetscher*innen zur Unterstützung in der Beratung vor Ort zu haben. Ein ähnliches arabisches Sprachangebot bauen wir auf bzw. aus. Aus den Beratungen entstehen immer wieder Begleitungs- und Sprachmittlungsmissionen zu verschiedenen Institutionen. Auch vergangenes Jahr war es uns durch die vielen ehrenamtlichen Vereinsmitglieder bzw. im Verein Engagierten möglich, diese bei Bedarf stets sicherzustellen. Zahlenmäßig schätzen wir die Begleitungen und Sprachmittlungen im Jahre 2014 auf 70 Vorgänge. Unser Beratungsheft, das uns die Beratungsarbeit erleichtert, haben wir erneut aktualisiert (Es steht wie schon zuvor auf unserer Homepage zum Download zur Verfügung). Zwar haben alle Berater*innen Grundkenntnisse über die (asyl-)rechtlichen Bedingungen, da wir aber ehrenamtlich tätig sind und uns unserer (fachlichen) Grenzen bewusst sind, vermitteln wir Klient*innen an andere Institutionen (Ausländerrat, Flüchtlingsrat) oder spezialisierte Anwälte und Anwältinnen, wenn die Anliegen unsere Kenntnisse, Fähigkeiten oder Kapazitäten überschreiten. Wir sind sehr froh über die gute Zusammenarbeit und Kooperationen mit diesen Stellen und Personen und hoffen, diese im kommenden Jahr weiter ausbauen zu können.

Soziokulturelle Aktivitäten

Die seit 3 Jahren bestehende Hausaufgabenbetreuung in der Gemeinschaftsunterkunft haben wir fortgeführt. Sie findet zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dem Ausländerrat statt und wird nach wie vor von einigen Kindern aufgesucht.
Im Juni boten wir für die im Heim lebenden Kinder einen Akrobatikworkshop auf den Elbwiesen an. Auch hier freuten wir uns über den regen Zuspruch und kamen beim Pyramidenbauen und der Fliegerfigur ganz schön ins Schwitzen. Es war für alle eine sehr schöne Erfahrung, trotz geringer Vorkenntnisse beeindruckend aussehende Standbilder bauen zu können.
Ein weiteres Highlight war die Tanzausstellung im Hygienemuseum, welche wir mit einigen Kindern und deren Eltern besuchten. Gerade der Mitmach-Charakter der Ausstellung begeisterte nicht nur die Kleinen.

Da inzwischen deutlich mehr alleinstehende Männer als Familien in der Gemeinschaftsunterkunft leben, haben wir unsere soziokulturellen Angebote dementsprechend ausgelegt. Seit April bieten wir einmal monatlich einen Spieleabend für Erwachsene an. Dieser wird recht gut angenommen und ist eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Hauptsächlich geht es an diesen Abenden jedoch ums Gewinnen und ums gemeinsame Spaßhaben. Dabei bringt jeder seine eigenen Spiele/Spielideen mit.

Im Mai folgten wir der Einladung zum „Antira-Fußball-Cup“ vor der Frauenkirche. Um unsere sportlichen Erfolgschancen zu steigern, luden wir einige Männer aus der Gemeinschaftsunterkunft zum Mitspielen ein. Da alle nach dem Turnier Lust hatten, öfter zusammen zu kicken, entstand kurzerhand die Verabredung, sich direkt am nächsten Wochenende noch einmal zu treffen und am Elbufer weiterzuspielen. Woche für Woche wurden wir immer mehr, inzwischen sind wir eine richtig große Gruppe Sportbegeisterter, darunter Asylsuchende, Jungs und Mädels aus der KoGA und weitere Mitspieler*innen, die teils spontan dazu stoßen, teils aber auch regelmäßig zum sonntäglichen Treff kommen. Zwar steht das gemeinsame Sporttreiben im Vordergrund, jedoch entstehen nach dem Spiel oft interessante Unterhaltungen sowie Vermittlungen privater und institutioneller Kontakte. Manchmal mündete das Kicken auch in einen gemeinsamen Grillabend. Das Angebot hat sich schnell herumgesprochen und so kamen auch einige junge Männer aus anderen Gemeinschaftsunterkünften bzw. dezentralen Wohnungen hinzu. Man kann sagen, dass ein richtiger Mannschaftsgeist entstanden ist: Man kennt sich, man erkundigt sich, man lernt (sportlich) voneinander. Wir freuen uns sehr darüber, dass dieses Angebot so gut angenommen wird. Im Winter spielen wir nun in einer Halle. Die Finanzierung hierfür übernahm das Sozialamt; ab 2015 bekommen wir freundlicherweise die Halle der „International School Dresden“ sehr preiswert zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr dankbar sind. Das von Caritas und Landeshauptstadt Dresden unter Beteiligung von katholischer Studentengemeinde, KoGA, NAMF und StuRa der TU organisierte Fußballturnier „1. Play Together Cup“‘ war ein sportliches Highlight zum Ende des Jahres. Unter den 12 Mannschaften gelang es unserem Team, einen Platz auf dem Siegertreppchen zu erkämpfen. Herzlichen Glückwunsch zu Platz 3!

Zum Thema Fußball gehört auch unser Dank an Matthias Brauneis für die Freikarten zu den Dynamo-Dresden-Spielen, die einige Asylsuchende im März besucht haben.

Die herbstliche Radtour zum Baggersee in Pratschwitz wurde ebenfalls eine gelungene Aktion. Zwar froren beim Rückweg fast die Finger ab, aber das Radfahren in der zehnköpfigen Gruppe war ein echter Knaller.

Last but not least soll noch unser Sommerfest auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft erwähnt werden, bei dem gebastelt, gegrillt, Volleyball gespielt, getrommelt und zum Ende sogar getanzt wurde. Die 5 Biertischgarnituren waren voll belegt und das Buffet wurde bis auf den letzten Krümel leer gegessen. Danke an alle, die zum Gelingen des schönen Festes beigetragen haben!

Öffentlichkeitsarbeit

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit haben wir dieses Jahr vor allem Workshops zum Asylsystem und zur Lebenswirklichkeit geflüchteter Menschen speziell in Dresden veranstaltet. Unser Wissen haben wir dabei an unterschiedliche Personengruppen weitergeben können: Workshops hielten wir im Rahmen der „gegenstand | rassismus“-Tage in der Johanneskirchgemeinde, beim Tag der IG-Metall-Jugend, sowie an einem pädagogischen Tag für Lehrer*innen in Glauchau. Da Ende dieses Jahres das Thema Asyl in Dresden nochmals hoch aktuell wurde, erhielten wir die Möglichkeit, interessierten, engagierten und bemühten Bürger*innen der Stadt zwei Vorträge zum Thema „Ehrenamtliches Engagement im Bereich Asyl“ zu halten. Diese fanden im Rahmen der Veranstaltung „Wie und wo kann ich mich in Dresden für Flüchtlinge engagieren“ statt, welche von Bürger.Courage, dem Sächsischen Flüchtlingsrat, dem Wehner-Werk und der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen veranstaltet wurden. Auf Einladung des neugegründeten Bündnisses „Löbtau ist bunt“, welches Asylsuchende im Stadtteil willkommen heißen will, konnten wir den dort engagierten Ehrenamtlichen unsere Erfahrungen weitergeben.
In einem DNN-Artikel zu Beginn des Jahres wurde eine von uns begleitete syrische Familie porträtiert. Weiterhin veröffentlichten wir eine Pressemitteilung, welche auf die mangelhaften hygienischen Zustände in der Gemeinschaftsunterkunft in Johannstadt aufmerksam machte.

Interne Fortbildung

Wir haben dieses Jahr auch an unserer internen Weiterbildung gearbeitet. Änderungen im Asylbewerberleistungsgesetz, Ausländergesetz und Asylverfahrensgesetz ließen wir uns im Mai in einem Workshop der Rechtsanwältin Kati Lang erläutern und diskutierten die Thematik in der Folgezeit miteinander. Eine Mitarbeiterin des Frauenschutzhauses Dresden gewährte uns im November Einblicke in ihre Arbeit. Aus gegebenem Anlass beschäftigten wir uns intensiv mit Voraussetzungen, Organisation und rechtlichen Bestimmungen der (sogenannten) freiwilligen Rückreise. Wir freuen uns außerdem darüber, dass in letzter Zeit viele neue Interessentinnen und Interessenten Teil unserer Gruppe werden wollen. Für deren Einarbeitung haben wir ein Konzept erstellt, welches einen Kennenlern- und Informationsabend sowie für Wissbegierige einen Workshop zu Asylrecht und Beratungstätigkeiten umfasst.

Zu guter Letzt wollen wir uns bei allen Förder*innen und Netzwerkpartner*innen bedanken, welche zum Gelingen unserer diesjährigen Arbeit beigetragen haben.

In Memory of Khaled

There is also an English version of the call for the demonstration in memoriam of Khaled and for the rights and safety for REFUGEES and there is also information in Tigrinya ትግርኛ.

Klick here for English: http://www.remembering-khaled.org/call/

Klick here for Tigrinya ትግርኛ: http://www.remembering-khaled.org/ti/

Wir sind tief erschüttert über den Tod von Khaled Idris Bahray.

Unser herzliches Beileid gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Wir sind entsetzt darüber, dass in unserer Stadt Menschen auf Grund ihres Aussehens Angst haben, auf die Straßen zu gehen. Wir bedauern zutiefst und sind bestürzt darüber, dass Menschen in unserer Stadt Angst vor rassistischen Übergriffen haben müssen.

Wir fordern eine unverzügliche, gewissenhafte und lückenlose Aufklärung des Falls! Dringlich rufen wir in diesem Zusammenhang dazu auf, an der Demonstration am Samstag, dem 17. 01. 2015, teilzunehmen! Der Demonstrationszug wird um 15:00 Uhr am Jorge-Gomondai-Platz starten.

Unsere Teilnahme soll sowohl Zeichen der Anteilnahme mit den Trauernden sein und unsere Solidarität mit REFUGEES und allen People of Color in der Stadt ausdrücken als auch als klares Signal an die Polizei verstanden werden. Eine schnellstmögliche vollständige Aufklärung dieser Bluttat und ihrer Hintergründe gehört zu den Mindestvoraussetzungen für ein künftiges gedeihliches Zusammenleben in Dresden.

Wir solidarisieren uns mit den Anliegen der Geflüchteten in Dresden und folgen ihrem Aufruf zur Demonstration:

https://www.remembering-khaled.org/

Wir schließen uns in weiten Teilen den Forderungen an, welche auf der Homepage des NAMF veröffentlicht wurden:

http://namf.blogsport.de/2015/01/14/khaled-wurde-getoetet-solidaritaet-mit-den-von-rassismus-betroffenen-menschen-in-dresden-statt-dialog-mit-pegida/

Kontaktgruppe Asyl e. V.
Dresden, den 16. 01. 2015