Beiträge von Friedrich

Übersicht Vereinsfinanzen 2017

Seit der Gründung des Kontaktgruppe Asyl e.V. 2014 präsentieren wir jedes Jahr eine Übersicht zur finanziellen Situation des Vereins. Auch für das Kalenderjahr 2017 möchten wir wieder die Einnahmen und Ausgaben des Vereins transparent darstellen.

Zusammenfassung

Das finanzielle Polster aus den Jahren 2014 und 2015 musste den erneuten Ausgabenüberschuss des Kalenderjahres 2017 ausgleichen. Die größten Ausgabeposten verzeichneten dabei die Beratung, das Fahrradprojekt und die Vereinsverwaltung. Während wir in den Vorjahren auf Spenden von Privatpersonen zählen konnten, brach die Spendenbereitschaft im letzten Jahr nahezu vollkommen ein.

Detailauswertung

2017 standen den Einnahmen i. H. v. 535,00 € die Ausgaben i. H. v. 3.085,53 € gegenüber. Daraus ergibt sich für das Kalenderjahr 2017 ein Defizit von 2.550,53 €. Die geringen Einnahmen sind neben dem Rückgang der Spendenbereitschaft auch auf den Rückgang von Förderanträgen zurückzuführen. Die Ausgaben sind im Vergleich zu 2016 um ca. ein Drittel gesunken.

Die Einnahmen und Ausgaben setzen sich wie folgt zusammen:

Einnahmen
Spenden 50,00 €
Aufstockung KoGA-Fonds 225,00 €
Pauschalen für Fahrradprojekt 115,00 €
Sonstiges 145,00 €
Summe Einnahmen 535,00 €
Ausgaben
Beratung 1.222,43 €
-davon Unterstützung Peperoncini e. V. 550,00 €
Vereinsverwaltung 840,17 €
Fußball 127,95 €
Fahrrad-Projekt 420,00 €
Auszahlungen KoGA-Fonds 295,00 €
Öffentlichkeitsarbeit 42,48 €
Sonstiges 137,50 €
Summe Ausgaben 3.085,53 €
Ausgabenüberschuss 2.550,53 €

Die knappe Hälfte der Ausgaben aus dem Bereich Beratung flossen im Jahr 2017 in eine Kooperation mit dem Peperoncini e. V. aus Leipzig, welcher Geflüchtete und Asylsuchende bei Klageverfahren unterstützt. Des Weiteren diente der KoGA-Fonds der finanziellen Unterstützung einzelner Geflüchteter und Asylsuchender mit privaten Anliegen. Als Verein beteiligten wir uns dabei maximal zu 50% an Kosten, welche bspw. für Deutschkurs- und Prüfungsgebühren anfielen. Kosten für das Fahrrad-Projekt entstanden aus der Beschaffung von Fahrrädern beim Lebenshilfe Dresden e. V. sowie von Fahrradschlössern. Im Bereich der Vereinsverwaltung fielen Kosten für Versicherung, Forumsprovider, Mailpostfach sowie Kosten für Änderungen im Vereinsregister an.

Detaillierte Informationen zu unseren Aktivitäten finden sich in unserem Jahresrückblick für das Jahr 2017.

Solidaritätserklärung Dresdner NGOs mit „Mission Lifeline“

Die Mission Lifeline, wie auch alle anderen Nichtregierungsorganisationen, die auf dem Mittelmeer Leben retten, erfüllen die Aufgabe, der die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten nicht oder nur ungenügend nachkommen. Sie retten Menschen aus Seenot – eine Grundfeste des internationalen Rechts. An dieser Grundfeste rüttelt nun auch Bundesinnenminister Horst Seehofer. Dass er befürwortet die „Lifeline“ zu beschlagnahmen und strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten, verkennt den legalen wie legitimen Auftrag, den sich Nichtregierungsorganisationen gegeben haben, die auf dem Mittelmeer retten. Der Bundesinnenminister verkennt diesen Auftrag in vollem Bewusstsein allein aus politischem Kalkül. Er berücksichtigt dabei nicht einmal die Bekundungen mehrerer Bundesländer, Geflüchtete aufzunehmen.

Wir, Dresdner Nichtregierungsorganisationen, die hier vor Ort beraten und Geflüchtete unterstützen, appellieren an die EU-Mitgliedsstaaten, weitere Odysseen von Geflüchteten und Crews von Rettungsschiffen sofort zu beenden! Den Schiffen, die Menschen aus Seenot retten, darf nicht die Einfahrt in irgendeinen Hafen verwehrt bleiben. Das ist eine humanitäre Pflicht, die selbstverständlich durch internationales Recht gedeckt ist.

Immer mehr europäische Regierungen entziehen sich dieser Pflicht, kriminalisieren Seenotrettungsorganisationen und ziehen es wider besseres Wissen vor, Fliehende von einer „Küstenwache“ in Gefangenenlager zurückschicken zu lassen. Wir erklären uns solidarisch mit denen, die an den Außengrenzen Europas ein Minimum an Menschlichkeit bewahren, die ihre humanitäre Pflicht nicht vergessen haben. Denn das, wogegen sie im Mittelmeer ankämpfen, das ist der Verrat aller Prinzipien, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mühsam im Sinne der Freiheit und der Unveräußerlichkeit der Menschenrechte erarbeitet wurden. Die Not, in der sich die Menschen auf der „Lifeline“ befinden, ist nur der derzeitige Höhepunkt einer seit Jahren währenden humanitären Katastrophe. Die europäische Asylpolitik scheiterte bereits weit vor 2015. Anstatt legale Wege der Einreise zu öffnen, anstelle einen fairen Verteil- und Ausgleichmechanismus unter den Mitgliedsstaaten zu implementieren, setzten die Union und die Mitgliedsstaaten auf Abschottung. Das gegenwärtige Seenotdrama auf dem Mittelmeer ist die Konsequenz dieser Politik.

224 fliehende Menschen befanden sich auf dem Boot der Lifeline. Kurz vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschef*innen der Europäischen Union sind die politisch Verantwortlichen auf diesem Kontinent so weit, dass sie selbst Menschen in Seenot zum Spielball der Re-Nationalisierung, der Orbanisierung Europas werden lassen. Die Verwirrung darum, ob nun in Malta angelegt werden dürfe oder nicht, glich einem Trauerspiel. Umso mehr, als dringend benötigte Medikamente, Decken, Trinkwasser und Lebensmittel – so wie sich die Lage von Außen darstellt – nicht zur Genüge vorhanden waren. Dass am Wochenende die benötigten Güter nicht einmal zur „Lifeline“ geliefert werden konnte, weil Malta dies ablehnte, offenbart, wie weit europäische Regierungen inzwischen bereit sind, die Außengrenzen abzuschotten.

War die bisherige EU-Asyl- und Migrationspolitik bereits ein Armutszeugnis, sind die neuerlichen Geschehnisse eine Bankrotterklärung. Wir appellieren, wir rufen, wir hoffen für die Fliehenden auf eine menschenwürdige Aufnahme und wünschen der Crew der „Lifeline“ Kraft und Stärke gegen alle Versuche der Kriminalisierung. Wir hoffen auf eine gemeinsame, europäische Asylpolitik, die einen anderen Weg als den der Isolation geht. Eine Politik, die sich nicht abwendet von den globalen Herausforderungen der Welt. Gerade hier in Dresden wird diese Einstellung häufig verlacht. Doch das Urteil über die Gegenwart wird in der Zukunft gefällt.

Wir rufen den Bundesinnenminister dazu auf, dem Beispiel anderer EU-Mitgliedsstaaten folgend, die Einreise von Geflüchteten der „Lifeline“ in Absprache mit den Bundesländern unverzüglich zu ermöglichen und die Kriminalisierung aller auf dem Mittelmeer rettenden NGOs zu beenden.

Ausländerrat Dresden e.V.
Gerede e.V.
Kontaktgruppe Asyl e.V.
Sächsischer Flüchtingsrat e.V.